Liest man den Bericht (“Die Argumente der Wolfsdebatte”, NNP vom 18.4.2024) über die Sitzung des Kreistagsausschusses bekommt man den Eindruck, „Rotkäppchen“ sei Pflichtlektüre für die Veranstaltung gewesen. Ein Potpourri von Lobbyarbeit, Urängsten und Bauchgefühl prallt auf (wenige) rationale Argumente. Die Jäger beklagen, „der Wolf verändere das Verhalten der Wildtiere“. Oha! Scheues Rehwild und sich zusammenrottendes Schwarzwild sowie gefährdetes Muffelwild (eine Art, die hier übrigens eigentlich nicht heimisch ist und erst vor ca. 100 Jahren zur „Bereicherung“ der Jagd ausgewildert wurde) sind ein Problem, dass das Verhalten der Tiere durch Bejagung massiv verändert wurde, hingegen nicht? Dass Jagddruck Einfluss auf die Tag- und Nachtaktivität der Tiere hat, ist durch etliche Studien belegt. Interessant ist auch ein Bericht aus der „Pirsch“ von 2022, hier wird über eine Studie zu Stress bei Rehwild aus Polen berichtet, Zitat: „Das Ergebnis überraschte: Die in der Losung gefundenen Abbauprodukte der Stresshormone zeigten ein niedrigeres Stresslevel in den Gebieten mit Wolf und Luchs. Der menschlich bedingte Stress durch Faktoren wie Jagd, Straßenverkehr und Besiedlung hatte einen stärkeren Einfluss als die Anwesenheit von Wolf und Luchs“.

„Aus Angst vor dem Wolf wurden Waldkindergärten geschlossen“, so Herr Steinhauer. Aus Angst kann man viel machen, ob es begründet ist, sei dahingestellt. Der Deutsche Jagdverband erhebt seit über 20 Jahren Daten zu Jagdunfällen. Von 2000 bis 2021 hat es in Deutschland 65 tödliche Unfälle mit Jagdwaffen gegeben, davon vier tödliche Fälle von Unbeteiligten – also Nicht-Jägern (Quelle: Correctiv 2021; Torsten Reinwald, Pressesprecher und stellvertretender Geschäftsführer des Jagdverbandes). Demgegenüber stehen zwei Fälle von tödlichen Wolfsangriffen in ganz Europa seit 1980 – in Lettland und Estland (Quelle: „The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans“, Studie des Norwegischen Instituts für Naturforschung aus den Jahren 2002 und 2021). Zwischen 2002 und 2020 gab es der Folgestudie aus dem Jahr 2021 zufolge in Europa keinen einzigen Fall eines tödlichen Wolfsangriffs. Die statistische Chance, beim Waldspaziergang von einem Jäger erlegt zu werden ist also signifikant höher, als das Horrorszenario, von einem Wolf zerfleischt zu werden. Wer Angst um seine Kinder hat, sollte sich lieber für Halteverbots- und „Bringzonen“ vor Kindergärten und Schulen einsetzen, als den Lütten den Aufenthalt in Wald und Flur zu vermiesen. Im Jahr 2022 verunglückten rund 25.800 Kinder bei Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen (Statista). Die gezielte „Entnahme“ chronisch zu spät und daher zu schnell vorfahrender Eltern durch Abschuss im Sinne eines sinnvollen Verkehrsmanagements wurde bislang noch nicht erörtert.

Zu guter Letzt: Jagdrecht ist Bundes- und Länderangelegenheit. Der Kreis kann beraten, empfehlen, fordern. Sonst nichts. Als EU-Mitgliedstaat verpflichtet sich Deutschland außerdem, die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) umzusetzen und das Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 zu etablieren. Der Wolf ist über den Anhang IV der FFH-RL besonders geschützt.

Herr Steinhauer fragt (süffisant?) „Warum zäunt man eigentlich nicht den Wolf ein?“ Prima Idee, das hat ja schon mal funktioniert in der jüngsten Vergangenheit. Man nannte es den „Eisernen Vorhang“. Ein „märchenhafter“ Vorschlag. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schwurbeln sie noch heute…

1 Kommentar

  1. Eine noch größere Gefahr sind die Hund, die auf dem Mehrgenerationenplatz in Eisenbach herumlaufen. Zum Teil nicht mal angeleint.

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