Der 45-Minuten-Sprint in der Altenbegegnungsstätte
Normalerweise ist das Rezept für eine Ortsbeiratssitzung bekannt: Man nehme eine ordentliche Portion Sitzfleisch, eine Thermoskanne mit mäßigem Kaffee und stelle sich auf einen Abend ein, der erst endet, wenn die Konzentration längst Feierabend gemacht hat. Doch am 8. Dezember 2025 bewies der Ortsbeirat Eisenbach im Sitzungssaal der Altenbegegnungsstätte in der Kirchstraße 30, dass Lokalpolitik auch im Hochgeschwindigkeitsmodus funktioniert.
Beginn: 20:00 Uhr. Ende: 20:45 Uhr. Eine Dreiviertelstunde für die Belange des Dorfes. Man könnte fast meinen, in Eisenbach sei die Weltrettung eine Sache der Effizienz. Doch wer als „Bürger-Versteher“ genauer hinschaut, merkt schnell: Die kurze Dauer war kein Zeichen von Untätigkeit, sondern das Ergebnis einer fast schon schmerzhaften Routine im Umgang mit bürokratischen Endlosschleifen.
Das Friedhofs-Phantom – Warten auf das Jahr 2022 (Teil 4)

Man muss sich die Zeitschiene einmal auf der Zunge zergehen lassen: Schon Mitte 2022 wurde – unter reger Beteiligung der Bürger und nach zwei ausführlichen Ortsbegehungen – ein Nutzungskonzept für den Friedhof Eisenbach verabschiedet. Das Planungsbüro Kraus lieferte die Visionen, die Politik nickte sie ab. Doch wer heute, Ende 2025, den Friedhof besucht, findet dort exakt das gleiche Bild wie vor drei Jahren. Kein Bagger, kein Spatenstich, nur das leise Wiehern des Amtsschimmels im Hintergrund.
Der Ortsbeirat scheint die Geduld nun endgültig verloren zu haben. Einstimmig forderte das Gremium Mittel für das erste Halbjahr 2026, um endlich in die Phase der Ausschreibung und Vergabe zu kommen. Das Protokoll schlägt hier Töne an, die für ein offizielles Dokument ungewöhnlich deutlich sind und den Frust der Bürger direkt in die Verwaltung tragen:
„Dass hier nicht wenigstens kleine Fortschritte bei der sukzessiven Umsetzung des Konzeptes zu erkennen sind, ist der Bevölkerung inzwischen nicht mehr vernünftig zu vermitteln.“
Es ist die pure Verzweiflung gegenüber einer Gemeindeverwaltung, die Pläne zwar beschließt, sie dann aber wie einen guten Wein im Keller lagert – nur dass sie mit dem Alter leider nicht besser werden.
Der Haushalt 2026 – Wenn die Hände fehlen
Beim Thema Haushaltsplan 2026 gab sich der Ortsbeirat betont zurückhaltend. Man nahm den Entwurf lediglich „zur Kenntnis“. Eine abschließende Entscheidung? Unmöglich. Der Grund ist ein klassisches Stück bürokratisches Theater: Während der Ortsbeirat tagen muss, sind die Beratungen in den übergeordneten Gemeindegremien noch gar nicht abgeschlossen. Man diskutiert also über Zahlen, die sich morgen schon wieder in Luft auflösen könnten.
Viel spannender war jedoch der Insider-Blick auf das eigentliche Problem: Es fehlt nicht nur an Geld, sondern schlicht an Köpfen. Der Beirat forderte explizit eine „Prioritätenliste“ für 2026, die auf die knappen personellen Ressourcen in der Gemeindeverwaltung Rücksicht nimmt. Es ist die ehrliche Erkenntnis, dass das schönste Budget nichts nützt, wenn im Rathaus niemand mehr da ist, der den Auftrag auch unterschreibt oder die Baustelle überwacht.
Das hydraulische Rätsel: Wenn Gutachten zu Papiertigern werden
Unter TOP 6.1 widmete man sich dem Wasser – oder besser gesagt, dem Schutz davor. Eisenbach hat ein „hydraulisches Gutachten“, das theoretisch genau weiß, wo das Wasser fließt. Doch Theorie allein hält keine Keller trocken. Der Ortsbeirat fragte daher nach einem handfesten „Prozessplan“: Wer macht was bis wann?
Ohne diesen Zeitplan bleibt das teure Gutachten ein klassischer Papiertiger – beeindruckend im Regal, aber völlig zahnlos in der Praxis. Die Bürger warten nicht auf neue Berechnungen, sondern auf den ersten Rollen der Bagger. Ob dieser Plan existiert oder ob er im selben Aktenschrank wie das Friedhofskonzept von 2022 verschwunden ist, bleibt die spannende Frage für das nächste Jahr.
Das Wunder von Eisenbach: Abschied in Harmonie
Zum Ende der Sitzung unter TOP 7.1 geschah etwas, das in der heutigen Politik fast schon Seltenheitswert hat. Ortsvorsteher Lothar Siegmund bedankte sich bei seinen Mitstreitern für die „gute und konstruktive Zusammenarbeit“ – und das über die gesamte Legislaturperiode hinweg.
Man könnte es die „Eisenbacher Harmonie-Falle“ nennen: Man versteht sich prächtig, ist sich in der Sache einig und bildet eine geschlossene Front gegen den Stillstand. Es ist fast so, als schweiße der gemeinsame Kampf gegen die Mühlen der Verwaltung das Gremium erst so richtig zusammen.
Fazit: Was bleibt nach 45 Minuten?
Die 24. Sitzung war ein hocheffizienter Abend, der jedoch ein bitteres Schlaglicht auf die Umsetzungskraft lokaler Politik warf. Der Ortsbeirat in der Kirchstraße 30 hat geliefert, die Probleme benannt und die Forderungen gestellt. Doch die Umsetzung bleibt ein Marathon, bei dem der Verwaltung auf halber Strecke die Puste ausgegangen zu sein scheint.
Es bleibt die bange Frage für das neue Jahr: Wird der Friedhof 2026 endlich zur Baustelle, oder feiern wir 2027 das fünfjährige Jubiläum der reinen Planungslosigkeit?
