Wer sagt eigentlich, dass man für die Verplanung von Millionenbeträgen und die Rettung des ökologischen Gleichgewichts Tage braucht? Die Selterser Gemeindevertretung bewies am 4. Februar 2026 im Mineralbrunnen Niederselters eine Effizienz, die jeden Stechuhr-Fanatiker vor Neid erblassen ließe. In exakt 60 Minuten – von 19:30 bis 20:30 Uhr – wurden Haushaltsfragen, Steuersätze und das Schicksal unserer Waldverjüngung durchgepeitscht. Für uns als UWE war dieser Abend eine Lehrstunde in Sachen politischer Verantwortungsübernahme – während andere Fraktionen das taktische Abtauchen perfektionierten.
Hier sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse einer Sitzung, die trotz ihrer Kürze weitreichende Konsequenzen für Selters hat.
1. Der Haushalt 2026 – Ein Kraftakt gegen die Entscheidungslosigkeit
Die nackten Zahlen lügen nicht, aber sie tun manchmal weh. Um die Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde zu erhalten, mussten wir die Grundsteuer B auf 543 v.H. anheben (TOP 7). Ein notwendiges Übel, das wir als UWE mitgetragen haben, denn wir wissen: Wer nicht investiert, verliert den Anschluss.
Bemerkenswert war das kollektive Versteckspiel bei der Abstimmung zur Haushaltssatzung (TOP 8.6): Mit lediglich 10 Ja-Stimmen gegen 3 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen wurde das wichtigste Dokument des Jahres verabschiedet. Während sich 13 gewählte Vertreter in die vornehme Unverbindlichkeit der Enthaltung flüchteten, haben wir als UWE das Rückgrat bewiesen, „Ja“ zur Zukunft von Selters zu sagen.
Zu den Eckdaten des Haushaltsplans gehören:
• Investitionsprogramm 2026 bis 2029: Die Roadmap für unsere bauliche Zukunft.
• Gesamtergebnishaushalt & Gesamtfinanzhaushalt 2026: Der Rahmen für das operative Geschäft.
• Stellenplan 2026: Damit die Verwaltung auch Köpfe hat, die die Arbeit erledigen.
• Der „Mobilbagger-Sperrvermerk“: Ein Highlight bürokratischer Detailtiefe – der Ankauf eines Mobilbaggers (Inv.-Nr. 13-I26-001) wurde mit einem Sperrvermerk versehen. Man gönnt sich ja sonst nichts, außer vielleicht einer Extra-Prüfung.
2. Das Freibad-Wunder – Einstimmiges Glück für unsere Jugend
In einem seltenen Moment totaler parlamentarischer Harmonie (26 Ja-Stimmen, keine einzige Enthaltung!) wurde bei TOP 6 der sprichwörtliche „Zucker“ verteilt. Selterser Kinder und Jugendliche dürfen sich freuen: Während der hessischen Sommerferien ist der Eintritt in unser Freibad künftig kostenfrei.
Das ist eine Investition, die wir als UWE voll unterstützen. Es ist nicht nur eine soziale Geste, sondern die beste Prävention gegen hitzige Gemüter und sommerliche Langeweile. Wenn man bedenkt, wie zerstritten das Gremium beim Haushalt war, scheint das kühle Nass die einzige Substanz zu sein, die alle Fraktionen an einen Tisch (oder in ein Becken) bringt.
3. Der Wald hat Hunger – Das PEFC-Drama um Bambi und die Zertifikate
Unser Gemeindewald hat ein Problem: Die Rehe haben offensichtlich keine Lust auf die offizielle Speisekarte und vergreifen sich lieber an den jungen Trieben, die eigentlich unsere Zukunft sichern sollen. Was wie eine Randnotiz klingt, gefährdet unsere PEFC-Zertifizierung und damit bares Geld (TOP 5.4).
Die Verwaltung musste bereits einen Brandbrief-Bericht an die Zertifizierer schicken. Die Situation ist ernst:
„Sollte sich in den nächsten 2 bis 3 Jahren keine Verbesserung der Situation einstellen, droht der Verlust des Zertifikats, was nicht nur die Vermarktung des im gemeindlichen Wald geernteten Holzes erschwert, sondern auch dazu führen kann, dass die bisher ausgezahlten Fördergelder aus dem Bundesprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ komplett zurück gezahlt werden müssen.“
Kurz gesagt: Wenn die Rehe nicht aufhören zu naschen, bittet der Staat uns zur Kasse. Wir als UWE hoffen, dass das Monitoring bald Wirkung zeigt, bevor unser Waldmanagement zum Millionengrab wird.
4. „In der Oberau“ – Gewerbegebiet zwischen Regressangst und Realitätssinn
Das Gewerbegebiet „In der Oberau“ (TOP 9 & 11) bleibt unser lokaler Wirtschaftskrimi. Hier schwirrt die Zahl von 3,6 Millionen Euro durch den Raum – die geschätzte Summe, die die Firma Intrachem Bio Deutschland GmbH & Co. KG in einem Brief vom 29. Januar 2026 als potenziellen Schadenersatz bezifferte, sollte das Projekt scheitern. Zwar werden diese Ansprüche aktuell nicht geltend gemacht, doch das Damoklesschwert hängt tief.
Die Gemeinde steht vor einer Wahl zwischen Pest und Cholera: Die „Große Lösung“ droht mit Verlusten von bis zu 2,36 Millionen Euro, die „Kleine Lösung“ mit immerhin noch rund 2,0 Millionen Euro. Die Lösung der Verwaltung: Die Grundstückspreise müssen massiv auf Marktniveau angehoben werden, um dieses Loch zu stopfen. Wir als UWE fordern hier volle Transparenz und ehrliche Gespräche mit allen Interessenten. Ein kleiner Trost: Die Eigenkapitalquote der Gemeinde ist laut Bürgermeister von 55,00 (2020) auf 58,03 (2024) gestiegen – allerdings stehen die Werte für 2023 und 2024 noch unter dem Vorbehalt der Prüfung durch das RPA. Wir sind also solide, aber noch nicht im sicheren Hafen.
5. Geldregen aus Wiesbaden – Der Hessenplan als Infrastruktur-Retter
Einen echten Lichtblick gab es bei TOP 5.2: Aus dem LuKIFG-Programm (Teil des Hessenplans) erhält Selters eine Förderung von satten 2.954.130,00 Euro. Das ist kein Kleingeld, sondern eine echte Chance für unsere Infrastruktur.
Der Haken? Das Geld fließt frühestens ab dem dritten Quartal 2026. Die Verwaltung wird im Frühjahr eine Prioritätenliste erstellen. Dabei werden auch alte „Leichen“ – also Finanzplanentwürfe vergangener Jahre auf nicht umgesetzte Projekte – gesichtet. Wir als UWE werden akribisch darauf achten, dass diese Mittel nicht in Prestigeprojekten versickern, sondern dort ankommen, wo es für den Bürger zählt: bei der Wasserversorgung, der Abwasserbeseitigung und der allgemeinen Infrastruktur.
Fazit: Ein Blick in die Kristallkugel
Selters steht trotz gefräßiger Rehe und hitziger Steuerdebatten auf einem soliden Fundament. Mit dem Projekt „100 Wilde Bäche“ am Laubus- und Eisenbach, den geplanten Photovoltaik-Freiflächen in Münster und Niederselters sowie dem Fortschreiten der Windkraft setzen wir auf Nachhaltigkeit, die sich auszahlt.

