Seit zwei Jahren wird über ein öffentliches WLAN an bestimmten Standorten in den Ortsteilen diskutiert. Das Land Hessen gewährt hierfür für jeden WLAN-Hotspot einen Zuschuss von Euro 1.000. Die Kosten betragen voraussichtlich ca. Euro 1.200. Das heißt, für nur Euro 200 (+ monatlich 20 Euro) kann die Gemeinde Selters einen kleinen Schritt Richtung digitaler Zukunft gehen.

Der Gemeindevorstand hat sich jedoch entschlossen, keine Empfehlung für die Einrichtung dieser Hotspots auszusprechen. Unverständnis ruft die Begründung hervor: Er hält solche öffentliche WLAN-Zugänge nicht für notwendig, weil – Achtung(!) – fast jeder Handybesitzer ohnehin eine Flatrate besitze.

Die Mehrzahl der Handynutzer hat jedoch keine echte Flatrate. Man könnte auch sagen, die meisten haben eine Mogelpackung. Hat ein Nutzer einen gewissen Datenverbrauch im Monat erreicht und überschritten, kann er zwar theoretisch weiterhin im Internet „surfen“, allerdings ist die Geschwindigkeit enorm gedrosselt und für das Surfen auf modernen Websites oder dem Download von Daten kaum mehr geeignet. Das sind keine echten Flatrates. Die gibt es zwar für die mobilen Netze inzwischen auch, sind aber sehr teuer und dürften daher nur von einer kleinen Minderheit in Anspruch genommen werden.

Möglicherweise sind die Mitglieder des Gemeindevorstandes alle stolze Besitzer einer solchen echten mobilen Flatrate – und die sei ihnen gegönnt. Dann gehören sie zu den 2,4% der Bevölkerung, die dafür 80 Euro monatlich und mehr ausgeben würden. Oder zu den 26,2%, die daran gar kein Interesse haben.

Es gibt übrigens auch nachvollziehbare Gründe für die Einschränkung des Datenvolumens beim Mobilfunk. Es handel sich hierbei um ein „Shared Medium“, bei dem sich alle Nutzer in einem bestimmten Umkreis die Bandbreite in der jeweiligen Funkzelle teilen. Würde jeder uneingeschränkt Datenvolumen verbrauchen können, würden die Netze ganz schnell ihre Kapazitätsgrenzen erreichen. Beobachten kann man dies beispielsweise bei Großveranstaltungen.

Es scheint, als befinde sich der Gemeindevorstand in dieser Angelegenheit „auf noch nicht betretenem Terrain“, um das Wort Neuland zu vermeiden.

Die gute Nachricht: der Gemeindevorstand hat lediglich keine Empfehlung ausgesprochen. So bleibt zu hoffen, dass die Ortsbeiräte und der Kinder- und Jugendausschuss, die nun befragt werden, das sachkundiger beurteilen und die Gemeindevertretung der Einrichtung von WLAN-Hotspots zustimmt.

Frank Noll

 

Namentlich gekennzeichnete Beiträge sind persönliche Meinungsäußerungen und geben nicht zwangsläufig die Meinung der Unabhängigen Wähler Eisenbach oder des Betreibers der Website wieder.

1 KOMMENTAR

  1. Am 19.12.2018 wurde die Einrichtung von WLAN-Zugängen von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen:

    TOP 6
    WLAN Hotspots in der Gemeinde Selters (Taunus)
    Die Drucksache GVE/2021/01801 liegt vor (Anlage Nr. 1 zum Orig.-Protokoll).
    Beschluss:
    Die Gemeindevertretung beschließt, dass an folgenden Standorten ein WLAN Hotspot
    eingerichtet wird:
    Ortsteil Niederselters: Rathaus
    Ortsteil Eisenbach: Altenbegegnungsstätte/Jugendraum
    Ortsteil Münster: Altes Rathaus
    Ortsteil Haintchen: Außenstelle Haintchen
    Die hierdurch entstehenden Kosten sind im Ergebnishaushalt 2019 vorgesehen.
    Weiterhin wird der Gemeindevorstand beauftragt, bei den Sportvereinen und Feuerwehren der
    einzelnen Ortsteile die Bereitschaft zu prüfen, WLAN-Hotspots einzurichten.
    Bezüglich der Standorte Bahnhof Niederselters, MVZ/Brunnenplatz im Ortsteil Münster und
    dem Jugendraum im Ortsteil Haintchen soll bei dem Eigentümer des Bahnhofs, dem MVZ
    Weilmünster bzw. dem kath. Pfarrheim angefragt werden, ob diese ein öffentliches WLAN-Netz
    einrichten können.
    Die evtl. Umsetzung des Auenlands wird zurzeit noch in den Gremien beraten. Die Einrichtung
    eines WLAN-Netzes sollte erst nach Abschluss der Beratungen besprochen werden.
    Über die Einrichtung weiterer Hotspots kann bei Bedarf abschließend im Ausschuss für die
    Bereiche Umwelt, Forsten, Jugend, Sport, Senioren, Soziales und Kultur beraten werden.
    Abstimmung: 26 Ja-Stimmen 0 Nein-Stimmen 0 Enthaltungen
    Entspricht: einstimmig angenommen

Comments are closed.