Sonntag, 1. Februar 2026

Thema Sicherheit: Das „Mittelhessen-Modell“ als Blaupause für Deutschlands Kommunen

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Der Duft von gebrannten Mandeln, Lichterketten und das gesellige Beisammensein auf der lokalen Kirmes prägen unsere Identität. Doch in die vorfreudige Stimmung mischt sich heute oft eine leise Sorge um die Sicherheit im öffentlichen Raum. Die vier mittelhessischen Kommunen Hünfelden, Bad Camberg, Brechen und Selters zeigen nun eindrucksvoll, wie man diesem Bedürfnis mit einer klugen Strategie begegnet.

Gemeinsam statt einsam – Die Macht der Kooperation

Innenminister Roman Poseck überreichte der Bürgermeisterin von Hünfelden, Silvia Scheu-Menzer, jüngst einen Förderbescheid über 100.000 Euro. Gemeinsam mit ihren Amtskollegen Frank Groos, Benjamin Zabel und Daniel Rühl setzt sie auf ein Modell, bei dem Hünfelden die Beschaffung übernimmt, während Bad Camberg die Lagerung, Wartung und Bewirtschaftung der mobilen Sperrsysteme verantwortet.

Aus expertentaktischer Sicht ist diese Aufteilung brillant: Oft scheitert die Anschaffung von Sicherheitstechnik in kleineren Gemeinden nicht am Geld, sondern am fehlenden Stauraum und dem Fachpersonal für die Wartung. Durch diese spezialisierte Arbeitsteilung lösen die vier Kommunen das logistische Nadelöhr gemeinschaftlich und hocheffizient.

Schorsch Horz, pensionierter Polizeibeamter aus Eisenbach, ordnet das Modell ein:
„Aus meiner langjährigen Dienstzeit weiß ich: Absolute Sicherheit schafft man nicht im Alleingang. Diese pragmatische Zusammenarbeit der Kommunen ist genau der richtige Weg, um unsere Traditionsfeste professionell zu schützen, ohne sie zu Hochsicherheitszonen zu machen. Es geht um eine gesunde Balance, damit die Menschen auch weiterhin unbeschwert feiern können.“

Massive Ersparnis durch Synergieeffekte

Die wirtschaftliche Bilanz dieses Zusammenschlusses ist ein Lehrstück für moderne Verwaltungsführung. Durch den gemeinsamen Einkauf und die geteilte Nutzung wird eine Einsparquote von rund 48 Prozent gegenüber einer Einzelbeschaffung prognostiziert. Dies schont nicht nur die kommunalen Haushalte, sondern beweist ein hohes Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Steuerzahler.

Der strategische Schlüssel liegt in der zeitversetzten Planung regionaler Ereignisse: Da Kirmessen, Märkte und Sportevents in den Nachbargemeinden selten zeitgleich stattfinden, können die Zufahrtssperren flexibel rotieren. Anstatt dass teures Equipment 360 Tage im Jahr ungenutzt in einer Halle verstaubt, wird hier der maximale Return on Investment erzielt.

Reaktion auf eine veränderte Sicherheitslage

Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen ist eine direkte Antwort auf eine veränderte Gefährdungslage. Vorfälle wie der Anschlag in Magdeburg (2024) oder die Ereignisse in München Anfang 2025 haben das Sicherheitsgefühl massiv beeinträchtigt. Mobile Hochsicherheitspoller sind heute kein optionales Extra mehr, sondern die infrastrukturelle Basis für das gesellschaftliche Zusammenkommen.

Dabei geht es um mehr als nur physischen Schutz; es geht um die psychologische Komponente des Sicherheitsgefühls. Nur wenn Barrieren professionell und sichtbar in ein Gesamtkonzept integriert sind, können Bürger Veranstaltungen unbeschwert besuchen. Die Kooperation schafft hier die notwendige Vertrauensbasis für das öffentliche Leben.

Ein Modell mit Zukunft: Das 1,5-Millionen-Euro-Versprechen

Das Projekt in Mittelhessen ist Teil einer landesweiten Offensive für kommunale Sicherheit. Das Hessische Innenministerium stellt jährlich ein Budget von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um genau solche interkommunalen Synergien zu fördern. Das Programm „Sicherheit bei Veranstaltungen“ hat sich damit zu einem echten Erfolgsschlager entwickelt.

Seit dem Start im Mai 2025 wurden bereits elf Zusammenschlüsse mit einer Gesamtsumme von exakt 925.000 Euro unterstützt. Hessen positioniert sich damit als proaktiver Mentor seiner Kommunen und schafft Anreize, Kirchturmdenken zugunsten von kollektiver Sicherheit und wirtschaftlicher Vernunft zu überwinden.

Fazit und Ausblick

Die Zusammenarbeit von Hünfelden, Bad Camberg, Brechen und Selters beweist: Sicherheit und Lebensqualität sind auch in Zeiten knapper Kassen finanzierbar. Durch intelligente Kooperation und den Mut zu neuen Verwaltungswegen bleiben unsere Volksfeste das, was sie sein sollen – Orte der unbeschwerten Freude. Wir können uns auf die kommenden Fest-Saisons freuen, in denen modernster Schutz den Rahmen für traditionelles Feiern bildet.

Wie wichtig sind Dir persönlich sichtbare Sicherheitsmaßnahmen, damit Du Dich auf öffentlichen Veranstaltungen wirklich wohlfühlst?

 

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