Manchmal ist Politik erstaunlich ehrlich. Zum Beispiel dann, wenn sie zeigt, was passiert, wenn einem partout nichts Eigenes einfällt. In Eisenbach hat die CDU dafür nun ein Lehrstück geliefert. Titel: Kreativität durch Fremdentnahme. Hauptrolle: der Slogan „Wir für Eisenbach“.
Ein Satz, der angeblich ganz frisch aus der parteiinternen Ideenwerkstatt gefallen ist. Dumm nur, dass genau dieser Slogan seit rund anderthalb Jahren von einem örtlichen Verein genutzt wird. Öffentlich. Sichtbar. Nachlesbar. Auf der Website, im Mitteilungsblatt, in der Presse und sogar auf dem Cover eines groß beworbenen Buches. Kein Geheimzirkel, keine Randnotiz, sondern Vereinsidentität in Großbuchstaben.
Wenn man hinschaut, ohne zu sehen
Die offizielle Erklärung ist ein kleines rhetorisches Kunstwerk. Man habe das „nicht auf dem Schirm gehabt“. Gleichzeitig betont man mit ernster Miene, man schätze die Arbeit des Vereins sehr und verfolge sie mit großem Interesse.
Das ist bemerkenswert. Man interessiert sich so intensiv für einen Verein, dass man seinen Namen, sein Motto und sein zentrales Selbstverständnis monatelang übersieht. Das ist kein Versehen mehr, das ist Hochleistung im Wegschauen. Selektive Wahrnehmung, Version Kommunalwahl.
Ideenlosigkeit mit Klebeband
Besonders elegant ist der Umgang mit dem gekaperten Slogan. Man habe verstanden, heißt es, und werde das Banner austauschen. Allerdings erst dann, wenn das neue fertig ist. Bis dahin bleibt das alte hängen.
Das ist ungefähr so überzeugend wie:
„Ich gebe dir dein gestohlenes Fahrrad erst zurück, wenn mein neues geliefert wurde – schließlich will ich bis dahin nicht zu Fuß gehen.“
Oder anders gesagt: Wenn man schon fremdes Eigentum nutzt, dann wenigstens konsequent. Schließlich will man ja nicht plötzlich ohne Botschaft dastehen. Eigenes Material? Fehlanzeige. Also bleibt das fremde eben noch ein bisschen dran.
Wertschätzung durch Aneignung
Eine Entschuldigung gibt es übrigens nicht. Offenbar gilt das Kapern eines Vereinsmottos inzwischen als besondere Form der Anerkennung. Man schätzt den Verein so sehr, dass man kurzerhand so tut, als wäre man selbst der Verein. Nähe durch Übernahme. Interesse durch Enteignung.
Der Verdacht liegt nahe: Wenn man keine eigenen Ideen hat, holt man sie sich eben woanders her. Möglichst dort, wo sie funktionieren. Und möglichst ohne lange nachzufragen. Man will ja schließlich gestalten.
Ein gut gemeinter Hinweis für die Zukunft: Wer lokale Vereine wirklich schätzt, sollte ihnen nicht zuerst den Namen vom Briefkopf klauen. Aber gut. Interesse ist eben eine dehnbare Kategorie. Besonders im Wahlkampf.

