Zwischen Aktenordnern und Weihnachtsglanz: Was Sie über die letzte Sitzung der Gemeindevertretung wissen müssen

Der Duft von Gebäck und die Magie der 85 Minuten

Es ist der 17. Dezember 2025. Während die meisten Bürger von Selters vermutlich schon die dritte Lage Plätzchen aus dem Ofen holten oder sich in die Vorweihnachtshektik stürzten, versammelte sich die Lokalpolitik im Mineralbrunnen Niederselters zur 41. öffentlichen Sitzung. Wer nun ein zähes Ringen um Paragrafen bis tief in die Nacht befürchtete, wurde eines Besseren belehrt: In rekordverdächtigen 85 Minuten – von 18:30 Uhr bis exakt 19:55 Uhr – wurde das kommunale Jahr abgehandelt. Es war eine Sitzung zwischen Besinnlichkeit und bemerkenswerter Effizienz, die bewies, dass man auch im Taunus den Turbo zünden kann, wenn der Weihnachtsbraten lockt.

Die Kunst des Vertagens – Warum weniger Sitzung mehr Weihnachten bedeutet

Der eigentliche „Magic Moment“ der Sitzung fand bereits ganz am Anfang statt. Unter Tagesordnungspunkt 3 verwandelte sich die Agenda durch ein beherztes Streichkonzert in eine deutlich schlankere Version ihrer selbst. Die Modernisierung der Kita Haintchen (TOP 8), der Haushaltsplan 2026 (TOP 10) und die Hebesatzsatzung (TOP 11) verschwanden von der Bildfläche. Der Grund war so simpel wie professionell: Hier gibt es noch Beratungsbedarf in den Ausschüssen.

Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk mit dreijähriger Garantie

Gute Nachrichten vom Energiemarkt sind derzeit so selten wie Schnee im Flachland, doch der Gemeindevorstand konnte unter TOP 5.1 tatsächlich ein „Geschenk“ präsentieren. Die Neuverhandlungen mit der Süwag Vertrieb AG & Co. KG führen ab dem 1. Januar 2026 zu spürbaren Entlastungen. Besonders erfreulich für die langfristige Planung: Es handelt sich um Durchschnittspreise, die für eine Laufzeit von stolzen drei Jahren festgeschrieben wurden.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

• Strom: Der Preis sinkt von 11,8 ct/kWh auf 10,600 ct/kWh (zzgl. Grundpreis).

• Erdgas: Hier fällt der Preis von 4,8 ct/kWh auf 3,950 ct/kWh (zzgl. Grundpreis).

Es ist eine jener seltenen „fairen Anpassungen“, bei denen der Pfeil tatsächlich nach unten zeigt – ein seltener Moment kommunaler Glückseligkeit.

Das Märchen vom Wohneigentum – Krimi am „Talblick 13“

Kommunalpolitik kann manchmal die Züge eines kleinen Skandals annehmen. Im Ortsteil Eisenbach sollte das Baugrundstück „Talblick 13“ eigentlich längst den Besitzer gewechselt haben. Doch dann kam die menschliche Natur ins Spiel: Die ausgewählten Bewerber hatten im Prozess offenbar eine winzige Kleinigkeit vergessen – nämlich, dass sie bereits zu exakt 25 % im Besitz von Wohneigentum waren. Da dies die Vergabekriterien massiv beeinflusst hätte, musste die Reißleine gezogen werden. Nach Rücksprache mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) wurde die Vergabe kurzerhand aufgehoben. Nun wird nach neuen, hieb- und stichfesten Kriterien gesucht. Ein Schelm, wer bei der „vergessenen“ Viertel-Immobilie an ein bewusstes Versäumnis denkt.

Rechnen für Fortgeschrittene – Das Wunder von Selters

Zahlen können trocken sein, oder sie können eine beruhigende Geschichte erzählen. Der Jahresabschluss 2024 (TOP 6) weist zwar einen Fehlbetrag von rund 107.000 € aus, doch im Vergleich zur ursprünglichen Planung ist das eine Verbesserung von satten 264.000 €. Das Wichtigste für alle Selterser: Die Gemeinde kommt weiterhin ohne Liquiditätskredite aus.

„Unsere Gemeindekasse ist zwar kein Füllhorn, aber sie steht auf einem beneidenswert soliden Fundament. Wir haben unsere Schulden aus eigener Kraft getilgt und verfügen über einen Liquiditätspuffer von über 561.000 Euro. Damit liegen wir fast doppelt so hoch wie der gesetzlich geforderte Mindestpuffer von etwa 316.000 Euro. Wir gehen also nicht nur mit einer stabilen Kasse, sondern mit einem echten Schutzschirm ins neue Jahr.“

Die Wanderbäckerei und der moderne Klimaschutz

In der Bauleitplanung „In der Oberau“ (TOP 7) gab es eine interessante Kurskorrektur. Eine ursprünglich geplante Bäckereifläche von maximal 100 m² wurde aus dem Plan gestrichen. Kein Grund zur Sorge für Brötchen-Liebhaber: Der Bedarf soll stattdessen im Bereich „Am Schwimmbad“ gedeckt werden. Die Bäckerei zieht also im Geiste ein paar Straßen weiter. Zukunftsweisend zeigte sich die Versammlung zudem beim Thema Klimaschutz: In künftige Kaufverträge wird eine Regelung zur dezentralen Regenrückhaltung aufgenommen. Ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Klimaresilienz unserer Gemeinde.

Gute Ideen, schwierige Wege – Senioren, Pfleger und das Bürgerbüro

Zum Abschluss wurde es noch einmal politisch. Drei Anträge aus der Mitte der Versammlung standen zur Debatte. Während die Ideen für einen Seniorenbeirat und eine Gemeindepflegerin trotz ehrenwerter Begründung keine Mehrheit fanden und abgelehnt wurden, gab es für das „Bürgerbüro“ grünes Licht für die nächste Runde. Der Wunsch nach einer zentralen Schnittstelle zwischen Bürger und Verwaltung, die Anliegen effizient steuert, wird nun im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) im Detail geprüft. Ein kleiner Sieg für die Bürgerfreundlichkeit gegen die bürokratische Skepsis.

Ein Ausblick mit einer Prise Neugier

Der Abend endete mit einem personellen Stabwechsel. Jürgen Hundler verabschiedete sich nach langjährigem Engagement mit einer bewegenden Rede aus dem Gemeindevorstand. Sein Nachfolger, Georg Horz, rückt nun als Erster Beigeordneter nach – und das mit einer interessanten Note: Er wurde durch eine Änderung der ursprünglich vorgesehenen Reihenfolge im Wahlvorschlag direkt ins Amt gehoben.

Ein neuer Name, eine frische Struktur im Bürgerbüro und sinkende Energiekosten – Selters scheint seine Hausaufgaben vor dem Fest gemacht zu haben. Bleibt die Frage: Ist die neu gewonnene Effizienz der Verwaltung ein dauerhafter guter Vorsatz für 2026? Wir werden es beobachten.