Mit seinem Rücktritt als Erster Beigeordneter der Gemeinde Selters hat Jürgen Hundler einen bewussten und konsequenten Schritt vollzogen. Nicht aus Bequemlichkeit, nicht aus persönlicher Betroffenheit, sondern aus Verantwortung für die kommunale Arbeit selbst.
Zehn Jahre lang hat Jürgen Hundler im Gemeindevorstand mitgearbeitet, fünf Jahre davon als Erster Beigeordneter. In dieser Zeit hat er Verwaltung geführt, Bürgermeister vertreten, Entscheidungen vorbereitet und getragen – oft in Phasen, in denen Stabilität und Verlässlichkeit besonders gefragt waren. Sein Engagement war ehrenamtlich, sachlich und stets am Wohl der Gemeinde orientiert.
Der Rücktritt ist keine Abrechnung, aber eine klare Standortbestimmung. Jürgen Hundler benennt offen, was aus seiner Sicht in den vergangenen Jahren zunehmend verloren gegangen ist: ein fairer Ton, gegenseitige Wertschätzung und die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen. Wo Misstrauen dominiert, wo Verwaltungsvorlagen pauschal infrage gestellt und Entscheidungen immer wieder vertagt werden, wird verantwortungsvolle Kommunalpolitik unmöglich.
Besonders kritisch sieht Hundler die wachsende Tendenz, notwendige, aber unbequeme Entscheidungen zu vermeiden. Haushalt, Gebühren, Steuersätze – all das sind Themen, die nicht verschwinden, wenn man sie verschiebt. Verantwortung heißt, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie politisch riskant sind. Wer das nicht tut, belastet langfristig die Gemeinde und schwächt das Vertrauen in die kommunalen Gremien.
Wichtig ist Jürgen Hundler dabei eine klare Abgrenzung: Sein Rücktritt richtet sich nicht gegen den neuen Bürgermeister Benjamin Zabel. Im Gegenteil, er verbindet mit dem Amtswechsel die Hoffnung auf einen neuen Stil und eine Rückkehr zu sachlicher, konstruktiver Zusammenarbeit.

Mit seinem Schritt macht Hundler deutlich, dass Ehrenamt Grenzen hat. Wer Verantwortung trägt, braucht Respekt, Verlässlichkeit und ein Mindestmaß an Vertrauen – innerhalb der Gremien ebenso wie gegenüber der Verwaltung. Ohne diese Grundlage wird Engagement zermürbend und politische Arbeit zur Dauerblockade.
Die Unabhängige Wählergemeinschaft UWE steht hinter diesem Schritt. Sie dankt Jürgen Hundler für seinen langjährigen Einsatz, seine Klarheit und seine Bereitschaft, Probleme nicht zu verschweigen, sondern offen anzusprechen.
Sein Rücktritt ist kein Rückzug aus der Verantwortung – sondern ein deutliches Signal:
Kommunalpolitik braucht Mut zur Entscheidung, Respekt im Umgang und den Willen, Brücken zu bauen. Alles andere führt in den Stillstand
Da ich in den vergangenen Tagen immer wieder auf die Frage angesprochen wurde, warum ich mein Amt als Erster Beigeordneter der Gemeinde Selters (Taunus) zum 31.12. niedergelegt habe, möchte ich heute meine Beweggründe dafür erläutern.
Vorab jedoch zwei Punkte, die mir sehr wichtig sind:
Nein, ich lege mein Amt nicht aus gesundheitlichen Gründen nieder.
Und nein, dieser Schritt steht auch nicht im Zusammenhang mit der Wahl von Benjamin Zabel zum Bürgermeister. Im Gegenteil: Bereits in den ersten Wochen seiner Amtszeit sehe ich zahlreiche positive Entwicklungen zum Wohle unserer Gemeinde und ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Ich bin seit genau zehn Jahren für die Unabhängigen Wähler Eisenbach Mitglied des Gemeindevorstandes der Gemeinde Selters (Taunus) und seit fünf Jahren Erster Beigeordneter. In all diesen Jahren habe ich sehr viel Zeit, Arbeit, Leidenschaft und Herzblut in dieses Amt investiert. Rückblickend bereue ich das in keiner Weise.
Es war mir eine große Ehre, die Geschicke unserer Gemeinde mitgestalten zu dürfen. Gleichzeitig konnte ich wertvolle Erfahrungen im verwaltungsrechtlichen Bereich sammeln.
Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung war stets vorbildlich. Ich hatte jederzeit das Gefühl, umfassend informiert zu sein. Der respektvolle Umgang innerhalb des Gemeindevorstandes war selbstverständlich. Beratungsunterlagen waren informativ, sorgfältig ausgearbeitet und eine verlässliche Grundlage für sachliche Entscheidungen. Man begegnete sich fair und aufrichtig, auch bei unterschiedlichen Meinungen.
Kurz gesagt: Die Arbeit hat Spaß gemacht.
Doch es gibt auch eine andere Seite der Medaille. Eine Seite, die mich in den vergangenen drei Jahren, insbesondere seit Januar 2024, zunehmend zermürbt hat.
Der zuvor selbstverständliche faire und respektvolle Umgang ging verloren. Der Ton wurde rauer, Achtung und gegenseitige Wertschätzung nahmen spürbar ab. Es ging sogar so weit, dass Mitglieder des Gemeindevorstandes öffentlich im Internet als ältere, verbitterte und selbstherrliche Männer diffamiert wurden. Das ist eine absolute Unverschämtheit.
Hinzu kamen unvollständige oder fehlerhafte Vorlagen, die Entscheidungsprozesse erheblich erschwerten. Die Sitzungsleitung entwickelte sich für mich zunehmend zu einer Belastung. In besonders schwierigen Situationen habe ich Sitzungen sogar vorzeitig verlassen.
Ich habe mehrfach versucht, auch schriftlich, eine Verbesserung herbeizuführen. Leider ohne Erfolg. Aus diesem Grund habe ich bereits im späten Frühjahr 2025 meinen Rückzug angekündigt.
Ein weiterer wesentlicher Grund für meine Entscheidung ist die Art und Weise, wie in Teilen der Gemeindevertretung gearbeitet wird.
Dazu möchte ich ein Zitat aus der Nassauischen Neuen Presse vom 21.12.2024 anführen, im Zusammenhang mit den Haushalts- und Hebesatzberatungen für 2025:
„Die Selterser Parlamentarier sollten sich am Riemen reißen. Ganz offensichtlich stimmt dort die Chemie nicht.“
Dem kann ich mich uneingeschränkt anschließen.
Immer wieder erleben wir das gleiche Vorgehen: Die Verwaltung erstellt mit großem Aufwand umfangreiche und sachlich fundierte Beratungsunterlagen. Diese sollen in den Ausschüssen diskutiert und entschieden werden. Doch mangelnde Kompromissbereitschaft und ideologisch geprägte Blockaden einzelner Fraktionen führen dazu, dass Entscheidungen vertagt, verzögert oder ganz von der Tagesordnung genommen werden.
Besonders ärgert mich, dass dabei teilweise sogar die fachliche Korrektheit der Vorlagen der Verwaltung infrage gestellt wird. Das ist unnötig, inakzeptabel und keine Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass dieses Problem in der letzten HFA-Sitzung von einem Ausschussmitglied offen angesprochen wurde, verbunden mit dem Appell, den Aussagen der Verwaltung künftig mehr Vertrauen entgegenzubringen.
Müssen sich die Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter nicht fragen lassen, warum es seit der Einbringung des Haushalts 2022 für das Haushaltsjahr 2023 nicht mehr gelungen ist, einen Haushalt im selben Jahr zu verabschieden? Und warum sich diese Situation nun erneut wiederholt, sodass auch die Beschlussfassung für den Haushalt 2026 von der Tagesordnung genommen wurde?
Die gleiche Problematik zeigt sich bei den Hebesätzen. Auch die Entscheidung über die Kindergartengebühren wurde bereits in den letzten beiden Gemeindevertretersitzungen vertagt, zuletzt mit der Begründung, man wolle nach der Kommunalwahl im März 2026 erneut darüber beraten.
Und genau hier liegt aus meiner Sicht das Kernproblem: die Kommunalwahl 2026.
Jeder weiß, dass Anpassungen bei Hebesätzen und Kindergartengebühren unumgänglich sind, um einen genehmigungsfähigen Haushalt zu erreichen. Jeder weiß auch, dass diese Entscheidungen für die Bürgerinnen und Bürger mit finanziellen Belastungen verbunden sind.
Doch statt offen und ehrlich darüber zu sprechen, werden notwendige, aber unbequeme Entscheidungen aufgeschoben. Aus Angst vor Stimmenverlusten.
Für mich ist das der falsche Weg. Eine Vorgehensweise, die ich persönlich kaum ertragen kann und die mir ernsthafte Sorgen bereitet.
Glaubt mir eines:
Die Bürgerinnen und Bürger durchschauen diese politischen Spielchen sehr wohl. Wer so handelt, darf sich nicht wundern, wenn Politikverdrossenheit wächst und das Vertrauen in politische Entscheidungsprozesse weiter schwindet.
Deshalb mein eindringlicher Appell:
Bemüht euch künftig um eine ehrliche und transparente Politik für die Menschen in unserer Gemeinde. Übernehmt Verantwortung. Trefft klare, sachorientierte Entscheidungen und stellt persönliche Empfindlichkeiten und ideologische Grabenkämpfe hinten an.
Nur so kommen wir gemeinsam voran.
Ich danke euch herzlich für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch und euren Familien ein friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2026.

